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Weniger ist mehr

Mittwoch, 30. Juni 2010, 21:52

Ich mag unseren Raid. Das hat viele Gründe. Ein ganz wesentlicher ist, dass es seit der Auflösung der NSL so herrlich unkompliziert geworden ist.

Klar: ich stecke immer noch sehr viel Zeit in das Spiel und insbesondere in den Raid. Das mache ich aber, weil ich im Moment die Zeit dafür gern aufbringe und nicht unter Zugzwang stehe. Generell gibt es heute sehr viel weniger Zwang in all dem, was wir mit WoW verbinden.

Freiwillig hätten wir das, was wir mit der NSL hatten wohl nicht aufgegeben - selbst wenn der Content das Ausmaß des damals betriebenen Aufwandes schon seit Anfang von WotLK nicht mal ansatzweise rechtfertigen konnte.

Es gab für mich zwei Meilensteine im Spiel: der erste war die Reduzierung der Spieleranzahl in Raids von 40 auf 25 Personen und die sich damit bietende Chance die NSL zu gründen. Mindestens ebenso wichtig war zudem unsere eigene Erkenntnis, dass nicht nur bei der Anzahl der Mitspieler weniger mehr ist, sondern auch bei der Anzahl der Raidabende.

Worum ging es uns in BC mit der NSL? Spaß, klar - der war immer wichtig. Spaß im damals noch jüngeren WoW kam insbesondere aus erfolgreichem raiden. Erfolgreich raiden... das war damals die Jagd nach Firstkills oder nach Weltranglistenplätzen. Tolle Prädikate konnten wir uns damals ausstellen: Bester Raid auf einem PvE-Server in Deutschland! Seit dem Black Temple unter den zehn besten deutschen Raids!

Damals ging es nicht anders. Wer Spaß haben wollte, musste auch erfolgreich sein. Erfolgreich sein konnte nur, wer mindestens fünf Abende pro Woche in Raids verbrachte. Erfolgreich war nur, wer sich schneller als die Nerf-Welle durch den Content bewegte. Alles danach war "daddeln". Das konnte jeder. Wir wollten besonders sein und hatten eben auch hohe Ansprüche. Ansprüche an unsere spielerischen Leistungen und an unsere Leistungsbereitschaft - und an unsere Opferbereitschaft, unter der in der Regel das RL leiden musste.

Das Spiel zwang uns dazu. Viele von uns hätten WoW eben nicht nur einfach so "gedaddelt" und haben sich ganz bewusst dafür entschieden "toll" sein zu wollen. Damals gab es keinen goldenen Mittelweg - es galt das Prinzip "Alles oder nichts". Du willst den Content sehen und erleben? Dann raide oft und farme viel!

"Vercasualisierung"? Bullshit! Ich kann der oft mit diesem Wort umschriebenen Entwicklung von WoW nachträglich nichts Schlechtes abgewinnen. Blizzard verleidet uns anspruchsvollen Spielern das Spiel nicht dadurch, dass man plötzlich die Wahl hat, wie man Erfolg für sich definiert. Erfolgreich WoW spielen, indem man allen Content auch in anspruchsvollen Versionen erlebt? Klein Problem - am einfachsten geht das im 10er.

Erfolgreich 25er raiden, indem man auch den letzten Hardmodecontent im Spiel erlebt, bevor er trivial wird? Dafür muss man nicht an fünf Abenden raiden; auch nicht an vier. Klar, wer immer noch nur "rumdaddelt" braucht viel Zeit um wenigstens ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Wer jedoch immer noch einen hohen Anspruch an die eigene Leistung hat und zudem ein Team findet, in dem er sich nicht fehl am Platze fühlen muss, der kann in vergleichsweise wenig Zeit ein tolles Ergebnis erzielen.

Firstkills? Weltranglistenplätze? Klar, irgendwas muss man aufgeben. Vermisse ich es? Nur selten. Wenn ich all die Vorzüge eines zwei-Tage-Raids Woche um Woche am eigenen Leib erlebe, kann ich nur an meinem Verstand zweifeln, wenn ich an die krampfhaften Versuche zurückdenke, die NSL in Ulduar auf dem inzwischen überholten Kurs zu halten.

Ich will fünf-Tage-Raider nicht verdammen oder als Auslaufmodell bezeichnen. Ich will nur die Annahme widerlegen, dass "erfolgreiches" Raiden in WoW nicht mit einer weitestgehend offenen Freizeitgestaltung vereinbar wäre. Den Erfolg muss man sich selbst definieren. Dafür muss man erst einmal erkennen, dass man in der Zwischenzeit viele unterschiedliche Möglichkeiten hat, in diesem Spiel erfolgreich zu sein. Es gibt keine allgemeingültige Definition von "Erfolg" mehr, die ehedem von den Top10-Bosskillern dieser Welt diktiert wurde.

Wer seinen Erfolg durch das Erobern von Weltranglistenplätzen definiert, kann das ohne Gelächter aus meiner Richtung tun. Respekt habe ich jedoch nur vor Spielern, die sich auch Ziele stecken, die sie erreichen können und dafür die nötigen Opfer bringen - sie haben es sich so ausgesucht und müssen sich des Aufwandes bewusst sein. For the Horde raidet extrem. Sie sind aber auch extrem erfolgreich. Sie arbeiten hart an der Erreichung ihres Ziels. Sie haben meinen Respekt.

Wir haben erlebt, was wir für unseren Zeiteinsatz zurückbekommen haben. In BC haben wir unsere Ziele erreicht und konnten sie sogar stetig neu definieren und höher stecken, ohne dabei größere Opfer vom Großteil der Mitglieder fordern zu müssen. In WotLK stimmte das Aufwand-Nutzen-Verhältnis maximal für die Dauer der ersten paar Wochen, in denen wir uns ein witziges Wettrennen um die ersten Bosse geliefert haben. Auch das hat sich gelohnt - wir haben die Titel geholt.

Danach haben wir die Innovationen des Spiels ein Weilchen verschlafen und erst spät - aber nicht zu spät - umgedacht.

Zwei Tage; insgesamt nicht mehr als neun Stunden pro Woche sind für uns das perfekte Maß. Wir setzen wenig Zeit ein, verplanen nur ein Minimum an Abenden fest fürs Raiden und werden nicht nur damit belohnt, dass wir alle Bosse erleben, sondern tatsächlich jeden einzelnen Encounter in-time auch im Hardmode als echte Herausforderung erleben dürfen.

Wir sind von der reinen Effektivität abgerückt und haben uns der Effizienz verschrieben. Es geht nicht mehr nur um die Erreichung des Ziels (koste es was es wolle), sondern darum, wie wir unser Ziel mit einem optimierten Einsatz unserer Mittel erreichen. In der Praxis: sei an zwei Tagen maximal erfolgreich. Der Quantität des Zeitfaktors wurden enge Grenzen gesetzt. Bei der Qualität der Zeitgestaltung ist alles offen: im Idealfall nutzt man hier die freie Luft nach oben.

In diesem Sinne sind wir so erfolgreich wie For the Horde. Sie haben ihre Ziele und Rahmenbedingungen und wir haben die unseren. Unser Spaß definiert sich anders als ihr Spaß - wenn Spaß der Weg zum Erfolg ist, ist es nur logisch, wenn man sich sowohl in der Wahl der eigenen Mittel als auch im Ergebnis unterscheidet.

Stellt euch selbst die Frage: seid ihr zufrieden und erreicht ihr im Spiel euer ganz persönliches Ziel? Dann seid ihr auch erfolgreich. Egal ob ihr an einem, zwei, drei oder sieben Tagen pro Woche raidet.

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